v EINE ANMERKUNG ZU DEN TANGOPHOTOGRAPHIEN
v EINE GLOSSE ZUR TRASH-FOTOGRAFIE 1989 FÜR DAS FRS
v „LICHT UND SCHATTEN“ von Isabell Fischer, Fellbach

Bücher:

TANGO - RHYTHM AND MOVEMENT OF BUENOS AIRES
earBOOK Hamburg 2005 / 2.Auflage 2007 / vergriffen
(siehe Rezension unten)


Beiträge in Publikationen und Büchern:
SALSA -RHYTHM AND MOVEMENT OF THE CARIBBEAN
earBOOK, edel-Verlag Hamburg
20 JAHRE TANGO FIVE
Musikerportraits für CD und Buch, 2004/2005
TANGO METROPOLE BERLIN
Kastell Verlag München 2001
TANGO OBSESSION PASSION
FIU Verlag, Wangen 1997

Aus Beiträge in Magazinen und Zeitungen:
Stuttgarter Nachrichten 23./24. Juli 2016
Stuttgarter Zeitung 10. Oktober 2009
Stuttgarter Nachrichten 5. Juni 2008
Stuttgarter Nachrichten 28. Februar 2008

>TangoDanza 2/2002
Tango Five Programmzeitung, Bühnenbild 2002
Tango Filen Bergen/Norwegen Heft 1/2002
Tango Danza 1/2002
ECOS de Espagna y Latinoamérica 6/2001
Stuttgarter Zeitung 22.12.2000
Stuttgarter Zeitung 30.8.2000
TangoDanza 1/2000
Schlaglicht Ludwigsburg 1999
Boletin del Tango Berlin 5/1995 & 10/1996
LIFT Stadtmagazin Stuttgart,  diverse Publikationen

EINE ANMERKUNG ZU DEN TANGOPHOTOGRAPHIEN
___Die Aufnahmen sind der eigentlich unmögliche Versuch, das Zwiegespräch der Paare, den Dialog der Musiker, der Tanzpaare mit ihrem Publikum in dem Moment festzuhalten, da sie die Show zu vergessen scheinen, die Zuschauer und die Scheinwerfer und wir etwas von dem spüren, das uns selbst beim Tanzen berührt.
Vielleicht ist es eine Illusion, aber eine intensive - so wie mancher Tango eine dreiminütige Illusion ist, die man nie mehr vergisst.
___Aufgenommen wurden die Photos meist bei Showeinlagenwährend der Tanz- also Publikumsveranstaltungen, selten auf der Bühne, in  Stuttgart und anderen Städten in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien.
+Der Tango vom Rio de la Plata, an dessen Ufern Buenos Aires und Montevideo liegen - verweigert sich Bewertungssystemen und sportlichen Wettbewerbsbeurteilungen. Seine Einmaligkeit und Genialität bezieht er aus der Improvisationsfähigkeit der Tänzerinnen und Tänzer, der Unbekümmertheit gegenüber Jugend und Akrobatik, Alter und Melancholie, aus seiner schrankenlosen Toleranz gegenüber brilliantem Können und Dilletantismus gleichermaßen.
___Es ist den Photographien nicht mehr anzusehen, dass diesen Tanz einsame, von Heimweh, Liebeskummer und Geldnot geplagte Männer - "Arbeitsimmigranten" - in den Hafenvierteln geschaffen haben, als sie vor 100 Jahren begannen, aus der Kultur zahlloser Herkunftsländer eine mit Tanz und Geselligkeit verbundene Musik zu entwickeln.
___Heute bewegt die Tangokultur Menschen in der ganzen Welt auf Tanzböden oder in Konzertsälen. Der Tango wird in Zukunft weiter an internationaler kultureller Bedeutung gewinnen (Der Tango vom Rio de la Plata wurde 2009 von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt) - und er wird sich verändern. Aber die Faszination von zwei innig und kreativ - zu anspruchsvoller Musik - miteinander tanzenden Menschen wird aus meiner Sicht seine bedeutendste Errungenschaft bleiben.
Jim Zimmermann 2005

EINE GLOSSE ZUR TRASH-FOTOGRAFIE, VERFASST 1989 FÜR DAS FREIE RADIO FÜR STUTTGART
___Lomo, Holga, Diana, Big Mini und Action Sampler: Wenn Sie jetzt denken, es beginne eine Sendung Über neue Computerprogramme zu Optimierung der linken oberen Ecke im  Bildbearbeitungssprogramm - tja dann haben Sie sich geirrt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie haben sich in die beliebte Sendereihe "Andreas zeigt seine Urlaubsdias" im Freien Radio für Stuttgart eingeschaltet, die Kulturredaktion ist auf Sendung.
___Was ist das Gegenteil von lebloser Computerperfektion? Schnappschuss, Dilletantismus, Lochkamera? Nun die Lochkamera ist schon wieder etwas für Spezialisten und Tüftler. Es geht um Trash, Müll, Schrott, um die Ästhetik des Schlampigen, Ich möchte ein paar Überlegungen anstellen, warum ausgerechnet im Zeitalter der Hyperdigitalisierung der Fotografie und der klinisch reinen Reklame von Saubermenschen, die uns Unterhosen und Parfum verkaufen, warum sich gerade hier ein wachsender Teil - nicht nur der Jugend - einer ganz anderen Ästhetik zuwendet und mit Billigstkameras, verwackelten Sujets und kitschigen Farben den Alltag ablichtet und die Banalität dieses Alltags garnicht banal sondern aufregend findet, wenn sie erst mal fotografiert worden ist.
___Doch erfunden wurde diese Sichtweise nicht von den Lomographen: Bereits Jahrzehnte vor Lomo wurde die Unmittelbarkeit des ungestalteten Schnappschusses zur Kunst entwickelt. Mir fallen so unterschiedliche Menschen ein wie der siebzigjährige  amerikanische Fotograf William Klein oder der in Stuttgart lebende Fotograf und Fotolehrer Volker Schöbel und aus den 70er Jahren die Herausgeber einer subversiven Zeitung namens Volksfoto.
___Alles um uns herum landet letztlich in einer Fotografie. Da das Fotografieren so belanglos und kinderleicht geworden ist, nehmen wir die Allgegenwärtigkeit der Bilder nicht mehr bewusst wahr. Noch weniger machen wir uns Gedanken über die Wirkung der Fotoästhetik auf unser Denken und Fühlen, auf unseren Geschmack. Susan Sontag meint in ihrem bekannten Buch über Fotografie, dass das Sehen die Tendenz hat, sich der Fotografie anzupassen. Das ist sehr einfach damit zu begründen, dass die Fotografie intuitiv immer noch für wahrhaftig, objektiv gehalten wird. Die tausend Bilder, die wir täglich unbewusst aufnehmen, beeinflussen also unsere Auffassung von der Wirklichkeit, von der politisch-gesellschaftlichen, von der kulturellen Wirklichkeit.
___Als die Begründer des Lomo - Kults 1991 zum erstenmal mit der kleinen sowjetischen Schwarzen auf ihren Partys herumknipsten, ohne durch den Sucher zu schauen, trafen sie den Zeitgeist im Nerv und traten eine Lawine los. Inzwischen gibt es zehntausende von Lomographen weltweit, die von ihrer Umwelt Fotos machen, welche von Dia-zeigenden Familienvätern sofort im Müll gelandet wären.
___Ganz offenbar - und ich spreche jetzt nicht von der künstlerischen, sondern von der Gebrauchs - und der Amateurfotografie - nutzt sich das "schöne Bild", vor allem das widerspruchslose, elegante, glatte, schnell ab. Es spiegelt uns eine Welt vor, wie sie nicht ist. Wir wissen es "irgendwie", geniessen vielleicht kurzfristig die oberflächliche Schönheit, lassen uns aber doch verführen zum Kauf von Ware und, zur Zufriedenheit mit den Zuständen unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.
___Wenn es nach den Wünschen der Foto- und Computerindustrie gehen soll und ihren Papagaien in den Redaktionen derjenigen Fotozeitschriften, die eigentlich Fotoapparatezeitschriften heißen müssten, dann beschäftigt sich der kreative junge Mensch heute damit, das Familienbild von Omas letzten Geburtstag ein wenig zu bearbeiten. Ein paar Falten an Omas Hals machen wir weg, damit die neue Kette besser zur Geltung kommt, so jetzt glänzt sie auch besser nach Gold. Mutti  - sie beschwert sich regelmäßig am Diaabend, dass sie wieder zugenommen hat - wird etwas gestreckt und verschlankt. Onkel Friedrich, der Widerling, drängt sich ins Bild und macht sich neben Oma wichtig - mit ein paar Maßnahmen haben wir ihn durch Tante Frieda ersetzt, das fällt überhaupt nicht auf. Auch bei den Urlaubsdias, die hinterher unweigerlich gezeigt werden müssen, verhelfen wir Mutti zur Kleidergröße 38 und  krampfaderfreien Beinchen. So war der Urlaub - fast wie bei der Bacardi-Reklame. Und Omas Geburtstagsparty entspricht jetzt schon viel mehr dem, wie wir sie uns gewünscht hatten. Alles auf die CD gebrannt und das Familienleben stimmt. Machen wir es mit dem
Rest unseres Daseins doch genauso.
___Natürlich gab zu allen Zeiten die Verschönerung und Glättung der Wirklichkeit in der Fotografie - im Privaten wir in der Öffentlichkeit - aber die nicht mehr erkenn- und nachvollziehbare, Manipulation eröffnet neue Dimensionen.
___In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass Leute genau das Gegenteil tun, sich mit völlig veralteter Technik (wie bei der Lomo), mit billigstem Plastikzeug, (wie bei der Holga und dem Action-Sampler) bewaffnen, drauflosknipsen und das unperfekt-brüchige schön finden, weil es lebt und zur Benutzung der Phantasie anregt.
___Es war zu erwarten dass Japan auf die russich-österreichische Offensive antwortet und mit einer eigenen Produktion zurückschlägt. Sie heißt Konica Big Mini und wurde von einem Teenager mit dem Künstlernamen Hiromix zum Kult erhoben. Es könnte natürlich auch sein, dass Konica das Mädchen zum Kult erhoben hat, um die unelektronische und unjapanische Vorherrschaft zu brechen. Auf jeden Fall möchte das Girlie-Wunder Hiomi Toshigawa jetzt Deutschland erobern. Das gerade in Deutschland auf den Markt gekommene Buch ist ihr drittes. Die Bilder benutzen die Schnappschuss-Ästhetik, aber sind genau überlegt und haben eine gewisse grafische Klarheit - gleichgültig, ob es Mamis Küchenvorhang oder ein melancholisches Großstadtpanorama ist.
___Den Vogel in der Trash-Fotografie schießt jedoch eine billige Plastikschachtel namens HOLGA ab, die im Mittelformat (!) Bilder wie aus der Lochkamera schießt - sofern sie trifft.

„LICHT UND SCHATTEN“ von Isabell Fischer, Fellbach
Veröffentlicht in "TangoDanza" Nr. 2/2002 (gekürzt)
___Gestellte Tanzposen sucht man bei Jim Zimmermann vergeblich. Solche Aufnahmen sind ihm, der sich dem schweiz-amerikanischen Fotografen Robert Frank verbunden fühlt, zu steril und oberflächlich. Seit der Aufnahme von Pepito und Claudia in Bremen 1993, liegt sein Interesse vielmehr in der Interaktion derer, die Tango tanzen, um ihn in der Auseinandersetzung mit dem Partner zu erleben.
___Mit seiner Kamera ist er dem spontanen Kräftespiel dieser Begegnungen auf der Spur, dort wo es entsteht - in den Tanzveranstaltungen in der Tangoszene. Überwiegend handelt es sich um Aufnahmen, die irgendwo im Dämmerlicht einer Tanzfläche entstehen. Die Körper lösen sich im Dunkel des Raumes oder dem Hell der Tanzfläche auf, verschmelzen mit dem Hintergrund und miteinander, während einzelne Körperpartien deutlich hervortreten: der Faltenwurf eines Kleides, Oberkörper, die sich umarmen, zwei halbe Körperlinien in einer Drehung - Tänzer, die in erster Linie auf ihre Spannungsfelder konzentriert werden. Das Spiel mit Licht und Schatten entstehe oft aus der Situation heraus, da er während der Tanzveranstaltungen keinen Blitz benutze, erklärt Jim Zimmermann. Auf diese Weise könne ein sinnlicher Moment eingefangen werden, ohne die Tänzer zu stören und die Spannung zu brechen.
___Die Tänzer gehen ganz im Zusammenspiel ihrer Körper auf. Besonders die Gesichter nehmen den Betrachter durch ihre Ausdrucksstärke, Intensität und Konzentration gefangen, scheinen Raum und Zeit entrückt. Fast möchte man meinen, die nächsten Bewegungen des Paares voraussehen zu können. Gleichzeitig sprechen die Bilder von Sensibilität und Achtung gegenüber den Paaren: sie wirken intim, ohne voyeuristisch zu sein.
___Mit zunehmender Annäherung verschwimmen die Konturen, bis sie sich schließlich im großformatigen Bild eines Gesichts-Ausschnittes nahezu vollständig auflösen. Das sichere Gespür für die entscheidenden Augenblicke zwischen den Paaren hat Jim Zimmermann durch die eigene langjährige Erfahrung als Tänzer bekommen. ...zuallererst sind die Bilder atmosphärische Beschreibungen eines Zustandes. Bewegung, Konzentration, Verschmelzung. Glücksmomente, in denen das Rampenlicht vergessen scheint.